There will be Blood

BLOOD_1

Newcomer-Agentur des Jahres 2014

BLOOD ACTVERTISING, Hamburg

So lange kennen sich die beiden noch nicht, und doch sehen sie mit raspelkurzem Haar und Bart und fast ­gleicher Größe aus wie geklont: Was sich bei manchem Ehepaar erst so langsam nach der Silberhochzeit ab­zuzeichnen beginnt, nämlich die auch op­tische Annäherung an den Partner, demonstrieren Norman Störl und Lars Kempin schon nach gerade zwei gemeinsamen Jahren. Sie sind die Gründer von BLOOD Actvertising, einer jungen Hamburger Agentur, der die Jury vom Jahr der Werbung den Titel Newcomer des Jahres verliehen hat.

EIN BEITRAG VON PETER HEINLEIN

SCHWEIGEN IST SILBER, HANDELN IST BLUTROT 

BLOODY Geschäftsführer: Norman Störl und Lars Kempin (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

BLOODY Geschäftsführer: Norman Störl und Lars Kempin (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

Nein, im zweiten Teil des Agenturnamens hat sich kein Schreibfehler eingeschlichen. Das ist Absicht, denn damit beschreiben die Gründer gleich ihre Philosophie: Advertising könne ja jeder, das sei doch nur der englische Ausdruck für Werbung, dem lateinischen „advertere“ (hinwenden, richten auf) entlehnt. ­„Actvertising“ aber bewirke eine besondere, nämlich durch Taten veranlasste Hinwendung, denn darin stecke das englische „to act“ (handeln). So erfinden Störl und Kempin mit diesem Namen sogleich eine ganz neue Kommunikationsgattung, wie sie betonen: Dabei setzen sie „auf die Kraft und die Substanz von (inter)aktionsorientierten Ideen und verschmelzen Werbung, PR und Digital“.

Ist der zweite Namensteil Programm, was ist dann der erste, BLOOD? Das mit dem „Blut“ ist keine Abkürzung. Es soll einfach heißen, was es heißt. Denn schließlich gibt das Blut uns Menschen alles Lebenswichtige und liefert es auch noch direkt dorthin, wo der Körper es braucht. Und auch die Agentur BLOOD Actvertising verspricht, alles zu liefern, was kommer­zielle Kommunikation heute ausmacht.

Das Logo trieft wie von frischer roter Farbe. Und Blut ist ja auch das, womit mancher, der es ernst meint, Bekennerschreiben unterzeichnet. Das mit dem Blut im Agenturnamen steht also auch dafür, dass Kempin und Störl mit ganzem Herzblut dabei sind, ihr erstes gemeinsames Baby zum Erfolg zu führen, verbunden durch ihre Leidenschaft für gute Kommunikation.

GEBOREN UNTER ZWEI STERNEN

Trotz gemeinsamer Leidenschaft und äußerlicher Ähnlichkeit sind die beiden Gründer dennoch recht unterschiedliche Naturen. Das fängt bei der Blutgruppe an: Mit A+ (Kempin) und B+ (Störl) können sie einander nicht Blut spenden. Musikalisch ist vielleicht harter Rock als das kleinste gemeinsame Vielfache zu hören. Lars Kempin, 41, ist als Gitarrist in der Punk-/Hardcore-Szene zu Hause. Norman Störl, 44, dagegen hält es eher mit Retro-Pop à la Ruben Cossani.

BLOODY bei der Arbeit (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

BLOODY bei der Arbeit (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

Der Hesse Kempin ist nach dem Sternzeichen Zwilling. Norman Störl kam in Köln als Fisch zur Welt. Hier müssten sich also nach allgemeiner Lesart Verstand (Zwilling) und Gefühl (Fische) verbinden. Tatsächlich wird Lars Kempin gern als analytisch, outspoken, zupackend beschrieben und Norman Störl als Idealist, eher introvertiert und gefühlvoll. Ziemlich ­gegensätzlich also.

Nach Ansicht von Astrologen haben die beiden sich mit der gemeinsamen Agentur auf ein echtes Abenteuer eingelassen, denn die

Beziehung zwischen Zwilling und Fisch brauche höchste Toleranz und echtes Einlassen aufeinander. Der Zwilling müsse das Träumerische des Fischepartners verstehen lernen, und das könne er mit seinem starken Verstand allein nicht – wie gut, dass er zwei Gesichter habe. Der Fisch müsse lernen, sich in die Verstandeswelt seines Partners ein­zu­leben und sich damit anzufreunden – als Werber, der es gewohnt ist, sich in seine Kunden und deren Produkte hineinzudenken, dürfte Störl darin kein Hin­dernis sehen.

LOBESLIEDER AUF DIE NEULINGE

Eine der Arbeiten für Hilcona.

Eine der Arbeiten für Hilcona.

Dass es tatsächlich miteinander geht, und zwar sehr gut, zeigen die Erfolge ihrer Agentur. Die können sich sehen lassen. Kunden wie Hilcona, Popp Feinkost, die Verlage Bauer sowie Gruner + Jahr, die Brauerei Veltins oder die Macher von Fritz-Kola singen Lobeslieder auf die Agentur.

Silva Lone Saländer, Objektleiterin beim Bauerverlag, freut sich über die Zusammenarbeit:

Die Leute von BLOOD sind sehr kreativ, kooperativ, flexibel und arbeiten im besten Sinne unprätentiös. Sie haben schnell unsere Wünsche und das Produkt verstanden.

Bei Hilcona genießt Mark Vogelgsang, Head of Brand & Communications, in der Zusammenarbeit „schnelle Umsetzung, leidenschaftliches Engagement, gutes visuelles Gespür, den hohen Grad der Professionalität“ und die Tatsache, dass Kempin und Störl sich persönlich so sehr einbringen.

Eigentlich war der Hilcona-Etat nach der zweiten Präsentation schon verloren gewesen. Konzeption, Strategie, Keyvisual sowie Plakate und Anzeigenmotive waren zwar sehr gut angekommen, aber die vorgeschlagenen Filme gefielen dem CEO auch in der überarbeiteten Fassung nicht. Als der Zug schon fast in Richtung einer anderen Agentur abgefahren war, kam die Lösung in letzter Minute, auf dem Rückflug von der Präsentation. Die noch im Flieger umgesetzte Überlegung, die so positiv bewerteten Plakatmotive in Bewegtbild umzusetzen, brachte dann doch noch den Auftrag.

Im Fall von Popp Feinkost galt es, Neuland zu betreten. Das Unternehmen hatte nie zuvor Verbraucherwerbung für seine Brotaufstriche betrieben. Der Kunde wurde in einem Workshop überzeugt. Die dort gemeinsam erarbeitete Strategie gab den Ausschlag. Das Familienabendbrot – ein großer Wunsch sehr vieler Menschen – wurde für Popp zum Thema. Dazu wurde ein komplettes Programm entwickelt: Design, Anzeigen, Filme, Webseite, Blog, Facebook, Handelskommunikation. Philip Harland, Geschäftsführer bei Popp Feinkost, erinnert sich:

BLOOD hat uns an das Thema Brandbuilding herangeführt und unter Berücksichtigung unserer Eigenarten eine sehr gelungene Kampagne erstellt. Höhepunkt waren die Werbespots, die wir für herausragend halten. Der bisherige Testverlauf stützt diese Auffassung.

Und rechtzeitig zur Verleihungsfeier des Newcomer-Awards Ende Januar in Berlin machte die Deutsche Fernsehlotterie BLOOD zur Leadagentur. Christian Kipper, Geschäftsführer der Deutschen Fernsehlotterie:

BLOOD Actvertising hat uns mit einer überzeugenden Strategie und einer emotionalen Kampagne, die große Freude macht, überzeugt.

DER KREATIVE UND DER STRATEGE

Überzeugt hatte Norman Störl in der Werbeszene schon, als er noch gar kein Texter war. Er bekam früh große Anerkennung, als seine Diplomarbeit – ein werbeklassisches Traditionskonzept für die regionale Brauerei Päffgen – an der Krefelder Fachhochschule Niederrhein ihm 1996 die Auszeichnung als ADC Junior Talent des Jahres einbrachte. Kein Wunder, dass sofort danach Jung von Matt nach ihm griff und ihn sechs Jahre lang darauf trimmte, dass Qualität von Qual kommt. Danach brauchte er dringend eine Auszeit, ging erst nach Südafrika, verlieh sich dann als freier Texter und produzierte vielfach ausgezeichnete Arbeiten. In dieser Zeit arbeitete er viel mit seinem konge­nialen Partner Holger Bultmann zusammen, der ihn als „strategisch denkenden Texter“ und als „posi­tiven Idealisten“ charakterisiert.

Eine der früheren Arbeiten von Norman Störl.

Eine der früheren Arbeiten von Norman Störl.

Sechs, sieben Jahre ist es her, dass sich der kreative Texter Störl und der Stratege Kempin erstmals begegnet sind. So ganz freiwillig war das wohl nicht, denn damals leitete Störl zusammen mit Holger Bultmann und Niels Alzen die Hamburger Agentur Santamaria. Die drei hoch dekorierten Kreativen waren mit ihrem Gründungskonzept zum Network JWT gegangen, das 2005 beschlossen hatte, sich kreativ besser und spitzer aufzustellen. JWT sah in Santamaria damals die Chance, eine „kleine und feine Boutique, die auf ausgesprochen spitze Kreation ausgerichtet ist“ zu betreiben. Eigenständig und unabhängig, also nicht weisungsgebunden sollte und wollte die Agentur sein und nur bei Bedarf auf Network-Ressourcen zurückgreifen müssen.

Berater und Strategen galten den Gründern als überflüssig, Kreation war das Credo, die Strategie hätten die Kunden eh schon selbst, und beraten könnten schließlich auch die Kreativen. Anfangserfolge wie Hilcona, L’TUR, RITTER SPORT sprachen schnell für sich, verhalfen zum gefühlten Durchbruch.

Doch die Mühen der Ebene waren schnell erreicht. Und der Einfluss von Network und Holding wurde größer. Der Erfolg brachte den JWT-Mann ­Joachim Fuchs als Berater in die Santamaria-Geschäftsführung und auch, aus Frankfurt geschickt, den Stra­tegen Lars Kempin.

Kempin war damals ein reines Network-Gewächs. Nach dem Studium der Publizistik in Mainz, hatte er als Junior-Stratege bei JWT in Frankfurt begonnen. Ein kurzer Abstecher zu Ogilvy nach Düsseldorf brachte keine Verbesserung, und er kehrte zurück. Denn bei JWT versuchten damals die beiden klugen Köpfe Till Wagner (der „Möglichmacher“) als COO und Mike Ries (der „Anstifter“) als CCO die Network-Geschicke trotz der teilweise massiv fordernden Präsenz der WPP-Holding zu lenken. Ries sah in Kempin schon damals mehr als den klassischen Strategen, der im Elfenbeinturm nachdenkt:

Lars hatte Freude daran, mit Kreativen zu arbeiten. Was er sagte, hatte Hand und Fuß, und er interessierte sich immer sehr dafür, wie die Strategien von uns Kreativen umgesetzt wurden.

Kempin arbeitete bei JWT unter anderem für Mazda und wurde dann nebenher der Hamburger Tochter Santamaria zugeordnet. Das sollte ungeahnte Folgen haben.

BLOODY Spiegelung (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

BLOODY Spiegelung (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

Denn so etwas hatte Kempin noch nie erlebt: In dem Fachwerkbau einer ehemaligen Bonbonfabrik im Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel arbeiteten die Santamarias so ganz anders, als er es vom Network gewohnt war. Modern Kaltes wie Stahl und Glas, mit dem sich viele Werbereien schmücken, gab’s dort wenig, dafür viel Holz, den Konfi im ausgebauten Dachboden, recht enge Stiegen, knarzende Bohlen. Hier wurde, so schien es, Werbung noch mit der Hand gemacht.

Die kreative, leidenschaftliche und doch entspannte Herangehensweise an die Anforderungen von Kunden wie Ikea oder Mitsubishi; die Prä­valenz von Ideen, und mochten sie auch noch so „schräg“ sein; deren Kombination mit eigens geschaffenen Webseiten; das trotz 30 Mitarbeitern oft zwanglose Miteinander und die Begeisterung der Kreativen – all das war echt ansteckend.

DAS VIRUS DER EIGENEN AGENTUR

Auch Kempin selbst beeindruckte die Santamarias. Gern erinnert sich Störl, dass dieser Network-Stratege in Stories dachte, begeisterungsfähig war. Dazu kam Störls Faszination für strategische Überlegungen und die Begeisterung, die Kempin fürs Digitale zeigte.

Dem widmete sich Lars Kempin dann explizit, als sich die Wege trennten, nachdem klar geworden war, dass Holding, Network und Hotshop keinen gemeinsamen Weg finden würden. Kempin kehrte zwar nach Hessen, aber nicht zu JWT zurück, sondern versuchte es als Senior Strategic Planner bei der Digital­agentur BIRCH COVE.

Störl dagegen wurde heimatlos, denn Santamaria wurde im Frühjahr 2009 geschlossen. Die Holding hatte einem von der Geschäftsführung gewünschten Management-Buy-out nicht zugestimmt. Ein gutes Jahr verging, bevor wieder Jung von Matt auf der Visitenkarte von Störl stand. Als Kreativgeschäftsführer von JvM /Elbe hielt er es allerdings nur ein Jahr aus. Dann wurde ihm klar, dass diese Agentur ihm keine Heimat mehr werden würde. In ihm steckte halt das Virus der „eigenen Agentur“.

BLOODY Einhorn sorgt für Stimmung im Büro (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

BLOODY Einhorn sorgt für Stimmung im Büro (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

In der Zwischenzeit hatte er sich 2010 nicht nur mit Kempin als Facebook-Freund wieder getroffen. Die beiden pflegten regelmäßigen Kontakt mit ­vielen Diskussionen, trafen sich auch mal „auf ein Bier“, etwa beim ADC-Festival in Frankfurt, und Störl erlebte mit, wie Kempin weiter nach seiner Bestimmung suchte: Digitales, Content, Cross Media waren jetzt seine Schlagworte.

Das BIRCH COVE-Intermezzo wurde nach kaum vier Monaten von einem bei der PR-Agentur Burson-Marsteller abgelöst, das den jungen Vater erst einmal nach Berlin brachte, wo er der FDP im Wahlkampf 2009 half, Social Media einzusetzen. Anschließend stellte die Firma ihn in Frankfurt als Director Cross Media und Campaigning ein. Doch richtig zufrieden wurde er dort auch nicht. Er schrieb sich in einem Blog den Frust von der Seele. In seinem letzten Eintrag bei „projekt2013“ sprach er im November 2011 von seiner Exitstrategie, beklagte „Selbstausbeutung in der Jobfalle, aus der es sich zu befreien gilt“. Damals hatte er sich vorgenommen, bis zum Alter von 40 Jahren ein eigenes Unternehmen zu haben.

KONFUZIUS SAGT

Er hat es geschafft, denn dorthin führten die gemeinsamen Diskussionen mit Norman Störl, weil sie willkommene Nahrung boten für das Virus in beiden. Selbstbestimmt arbeiten, kreativ sein, Freude haben statt zu viele von anderen aufgestellte Regeln. Kempin und Störl entdeckten mehr und mehr gemeinsame Überzeugungen. Deren wichtigste war, einen neuen Weg mit eigenen Regeln und diesen dann auch gemeinsam zu gehen. Das Konzept für eine neue Kommunikationsagentur, für Actvertising entstand.

Handeln statt labern ist zwar Motto, aber eine zu kurz gedachte Erklärung für all das, was sie tun. Nicht „gesagt, getan“, sondern „getan, gesagt“ – so müsse die Reihenfolge in der Kommunikation sein, beschlossen sie, und so steht es heute auf ihrer Webseite. Dort stellt sich Kempin hinter den seit dem vorchristlichen Philosophen Seneca immer wieder variierten werberenglischen „action speaks louder than words“ und Störl bemüht das zweieinhalbtausend Jahre alte Kon­fuziuszitat:

Ich höre und vergesse, ich sehe und behalte, ich handle und verstehe.

Marken made in Germany: BLOOD unterstützt mittelständische Unternehmen.

Marken made in Germany: BLOOD unterstützt mittelständische Unternehmen.

Am ehesten sehen Kempin und Störl „handeln statt labern“ bei mittelständischen Unternehmen gegeben. Deshalb haben sie auch parallel zur Agenturgründung gemeinsam mit Jürgen Alker vom Digital­studio Swipe die Aktion Marken Made in Germany (MMiG) ins Leben gerufen, mit der sie auf erfolgreiche, aber wenig bekannte deutsche Mittelständler aufmerksam machen. Denn auch das ist Teil der selbst beauftragten Mission:

Machern zu helfen, die Produkte schaffen, auf die sie zu Recht stolz sind. Die Visionen wahr werden lassen. Die erst den Mund aufmachen, wenn sie was zu sagen haben, und lieber überzeugen, statt zu überreden.

Diese Zielgruppe ist es ja auch, für die sie sich bevorzugt als Werbekunden interessieren. Dort gibt es vielfach noch direkte Drähte zur Unternehmensleitung und nicht etliche Hierarchieebenen, die sich jeweils vorwiegend um die eigene Bedeutung kümmern. Mit MMiG produzieren sie filmische Porträts von Unternehmen wie dem Globushersteller Columbus, den Laufschuhfabrikanten Lunge oder den Lebensmittelerfindern vom tsac – um nur einige zu nennen – und stellen sie als „Hommage an Deutschlands Macher-Marken“ auf ihrer Webseite www.markenmadeingermany.de und der Videoplattform vimeo der Öffentlichkeit vor.

„Diese Unternehmen“, das wissen Kempin und Störl, „gehören nicht immer zu den ganz Großen. Aber sie gehören zu denen, die uns immer wieder aufs Neue überraschen und inspirieren. Ihnen gehört unsere Aufmerksamkeit, denn ihnen gehört die Zukunft. Sie bilden das Herzstück unserer Wirtschaft und müssen oft mit begrenzten Mitteln gegen internationale Konzerne und üppige Marketingbudgets in die Schlacht ziehen.“

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Eine der Arbeiten für Veltins V+.

Eine der Arbeiten für Veltins V+.

So, wie sie Schritt für Schritt bei MMiG vorgingen, handelten sie auch bei der eigenen Agentur in kleinen Schritten, denn Unternehmensgründung ist, wie Kempin berichtet, „wie mit verbundenen Augen Achterbahn fahren: Es fordert einen, macht aber auch Spaß, weil man nie weiß, was als Nächstes kommt“. Es ging los am Küchentisch bei Norman Störl. Ohne Kunden und ohne Mitarbeiter. An geliehenen Schreibtischen in Bürogemeinschaften bekamen die Gründer Aufträge vom Bauer-Verlag, die Anfrage des früheren Santamaria-Kunden Hilcona und die Aufgabe, für Popp Feinkost einen Brandbuilding-Workshop zu machen.

Dem folgte schließlich der nach Gründung zweite große Schritt: Erzwungen auch durch den Erfolg und das Mehr an Arbeit – mittlerweile dockten die Brauerei Veltins, andere Medienhäuser und Campari an – sah sich der Zwei-Mann-Laden in der Lage, auszubauen und Mitarbeiter zu verpflichten. Das hieß aber auch: „Wir brauchen Platz.“

BLOODY Newcomer 2014 (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

BLOODY Newcomer 2014 (Foto: Thomas Rosenthal für Econ).

Da traf es sich, dass Claudia Fischer-Appelt und Lars Kreyenhagen von der ebenfalls etwas anderen Hamburger Agentur Karl Anders, einem Büro für Visual Stories, für Design und Storytelling, Herberge bieten konnten. Und zwar auf St. Pauli und in einem für die Szene geschichtsträchtigen ehemaligen Gemeindehaus. Dort hatte einst die heutige Kultagentur Philipp und Keuntje die Schritte zum großen Erfolg gemacht.

Jetzt wächst dort BLOOD. Vorerst mit acht festen Mitarbeitern, einem großen Stamm frei dazubuchbarer Spezialisten und einem Gross Income von gut einer Million Euro im vergangenen Jahr. Wo es jetzt hingeht, darüber machen sich die beiden erst mal keine großen Gedanken. Wachstum? „Also, einen Masterplan haben wir nicht in der Tasche“, sagt Lars Kempin, und ­Norman Störl ergänzt:

Wir lassen die Dinge mal auf uns zukommen und entscheiden, wenn es jeweils so weit ist. Vorerst genießen wir mal, dass die Arbeit uns Spaß und Freude macht und den Newcomer-Titel gebracht hat.

(Veröffentlicht im Buch zum JAHR DER WERBUNG 2015, Band 52, erschienen im Econ Verlag)

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